Links mit Referenzen:

http://www.wirsindwien.com/wirsindwien-festivalprogramm/

http://www.karinhirschberger.com/indexhibitv070e/index.php?/projekte/lillo-musico-/

http://news.orf.at/stories/2076717/2076704/

http://www.esel.at/termin/39730

http://letter.eyepin.com/include/newsletter2.php?p=ca04901b3901ab987af245180ead353f


Bewegung und Rhythmus

Die Serie ciclo/riciclo wirkt farbig lebhaft, lebendig und heiter. Auf die Leinwand aufgetragene Farbschichten - unzählige Papierstreifen, die wie Pinselstriche wirken, ausgeschnitten aus Zeitungen oder Werbematerial, glatt verschliffen, poliert und mit Wachs versiegelt. Es entstehen faltenlose stark gemusterte, bunt rhythmisierte Flächen. Aus dieser spontan anmutenden Arbeitsweise heraus entwickelt sich eine Bewegung, gelingt ein Rhythmus, der über das Bild hinausführt und sich im Raum breit macht, sich in Diptychon und Triptychon entfaltet.

Lillo Musicó gibt keine Figuren oder Formen vor, er will nicht manipulieren, die Blicke der Betrachter weder lenken noch leiten. Wenn sich der Zuschauer jedoch auf seine Muster einlässt, dann entdeckt er die Formen seiner eigenen Fantasiewelt, begleitet vom eigenen rhythmischen Gefühl für Bewegung. So verwandelt Musicó das umtriebige Treiben in gleichmäßige, empfindsame Takte und Melodien, welche verschiedene Assoziationen zulassen.

Hat Lillo Musicó Vorbilder? Eines seiner Werke hat er dem sizilianischen Maler Renato Guttuso gewidmet, Zeitgenosse und Freund Picassos, der bei einem Karrenmaler lernte. Die lebendige Farbenpracht der Wien Serie Musicós' erinnert an die fantastischen Bemalungen der reich geschnitzten und verzierten „Carretti siciliani,“ welche als Fuhrwerk für Wein, Getreide und Olivenöl aber auch als Kutsche für Hochzeiten benutzt wurden. Beeindruckt sei er von Mimmo Rotella, dem in Kalabrien geborenen Plakatkünstler. Auch Lillo Musicó sucht in der Hässlichkeit des Abfalls das Schöne in der Kunst. Das Warme und Sonnige seiner Bilder steht im Kontrast zu den schnelllebigen Zeitungspapierresten und hastigen Werbeprospekten.

Birgit Seissl, Publizistin für Kunst und Architektur
Laas/Südtirol und Wien, 2011

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Die Arbeiten von Lillo Musicó

Seit einigen Jahren lebt Lillo Musicó, geboren und aufgewachsen in Messina, in Wien. In dieser an kulturellen Fermenten reichen Hauptstadt hat er seine Werkserie Ciclo/Riciclo realisiert. Entstanden sind Collagen, die aus einer Unzahl kleiner, länglicher Streifen Papier bestehen, herausgerissen aus Zeitungen, Zeitschriften und Werbebroschüren. Aufgebracht auf Leinwände, geglättet, poliert und anschließend mit Wachs versiegelt.

Arbeiten, deren Basis das ständige Modulieren und Regeln einzelner Teile eines Gesamten ist, das Kontrollieren von Farbe, Licht, Fuge und Pause. Die eigens entwickelte Technik bietet Musicó die Möglichkeit, Problemfelder wie Chromatik, Helligkeit und Farbigkeit neu zu erforschen. Formen werden zerlegt, entmaterialisiert und mit hoher Suggestionskraft (des Betrachters) neu zusammengesetzt. Auf und auf gelegte, dicht übereinander geschichtete Papierstreifen, die wie Pinselstriche wirken. Ein Verfolgen von Zeichen, das in der Erzählung idealisierter Landschaften mündet.

Landschaften, die über seine mediterrane Herkunft reflektieren. Landschaften, in denen äußere und innere Realität aufeinander folgen, sich überschneiden und überlagern, eine Summe bilden. Landschaften aus der literarischen und künstlerischen Tradition heraus: Stefano d'Arrigo, Vincenzo Consolo, Renato Guttuso. Landschaften im Schwebezustand, materiell und immateriell zugleich, greifbar einerseits und in andere Sphären drängend. Traum und Realität, die sich in Neues verwandeln und einer Art DNA nachspüren.
Meerlandschaften: die Meerenge von Messina.

Ihr besonderes Licht, das stetige Aufeinanderfolgen der Strömungen, der Wind, das Übereinanderlagern und Verändern der Farben sind Musicó eingeschrieben. Über 35 Jahre hat er sich zwischen den Küsten (zwischen Messina und Reggio di Calabria) hin und her bewegt. Träume sind es, die ihn weiter bewegen, Leidenschaft, die ihn weiter vorantreibt, Vision und innerer Aufruhr sind es, die jedes seiner Werke auszeichnen. Das Strömen des Meeres in der Meerenge ist es, das in diesen letzten Wiener Arbeiten imaginiert wird. Musicó komponiert mit Engelsgeduld und ausgefeilter Technik ein dicht gefügtes Geflecht, ein schnelles und erregtes Hinterherlaufen von kleinen Papierstücken und erreicht Effekte von besonderer Schönheit. Gewissenhaft und akribisch genau setzt er jeden Farbstreifen, prüft ihn auf seine Umgebung und führt den Blick des Betrachters auf das Gesamte. Gleichzeitig ist jeder einzelne Streifen beseelt durch expressive Ausdruckskraft und gestische Dynamik, die sein Werk von jeher auszeichnen, sowohl in der gelungenen Porträtserie "Facce di Lepanto", als auch in den großformatigen monochromen Leinwänden, ausgeführt in Mischtechnik (Bleistift und Öl).

Ein ausgewogenes und studiertes Tun, kontrolliert in all seinen Details, voller Ruhe und Unruhe; immer wieder neu geschriebene Malerei in verfeinerter Umsetzung.

Maria Gabriella Trovato, Publizistin für Kunst und Architektur
Beirut und Messina, 2012

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Visioni e paesaggi di Lillo Musicó

Lillo Musicò è un’artista inquieto che ama mettersi costantemente in gioco. Sempre alla ricerca di modi nuovi di esprimersi, appassionato del cambiamento e delle trasformazioni cui la tecnologia ci sottopone costantemente trasformando il nostro modo di comunicare. Il comunicare, il trasmettere emozioni, l’esprimere con puntigliosa ricerca il proprio pensiero e il proprio modo di essere cittadino e membro di una comunità, sono sempre per lui finalizzati alla condivisione e al confronto. Da qualche anno vive sospeso tra la sua Messina e Vienna. In questa capitale, ricca di fermenti culturali, ha realizzato le opere della serie Ciclo/Riciclo, collages di una miriade di piccole strisce allungate di carta riciclata, di giornale, di opuscoli pubblicitari. Materiali del quotidiano, dalle brevi vite, stesi sulla superficie della tela, levigati uniformemente, lucidati e sigillati con la cera. Tele in cui Musicò sperimenta un suo personale linguaggio basato sulla modulazione di tratti, colori, luce, fughe e pause; una tecnica che gli permette di esplorare in modo nuovo problemi cromatici e luminosi. In queste opere le forme vengono smaterializzate e con grande potere sugge- stivo vengono ricomposte dallo sguardo di chi osserva. Ogni striscia di carta è un filamento frastagliato che sovrapponendosi acquista la forza di una pennellata. Un rincorrersi di segni che prendono forza e significato nel racconto di paesaggi idealizzati. Paesaggi della sua terra natale, in cui si riflette il carattere precipuo del Me- diterraneo. Paesaggi in cui realtà e rappresentazione interiore si susseguono, si intersecano, si sovrappongono e si sommano. Paesaggi della tradizione letteraria ed artistica: Stefano D’Arrigo, Vincenzo Consolo, Renato Guttuso. Paesaggi sospesi tra materiale ed immateriale, tra tangibile e spazio-tempo altro. Sogni e realtà che si tramutano nella tela in nuove raffigurazioni. Una sorta di filamenti di dna.
Paesaggi di mare: lo stretto di Messina. La sua particolare luce, il continuo susseguirsi delle correnti, il vento, il sovrapporsi e trasformarsi di colori, conti- nuano ad essere presenti nel suo essere. Lo stretto, il luogo che lo ha visto crescere e diventare uomo ed artista in 35 anni di traversate tra le due coste, è la passione che lo anima, è il sogno che lo tormenta, è il suo sguardo fiero, è lo sfondo costante dei suoi giorni, è la visione che anima ogni sua opera. Il fluttuare marino delle onde è trasposto, in queste sue ultime opere viennesi, nel veloce rincorrersi di minuscoli brandelli di carta che, con pazienza certosina e abile capacità tecnica, Musicò compone ottenendo effetti di particolare bellezza. Come un contemporaneo divisionista accosta meticolosamente e sapientemente ogni striscia di colore conducendo lo sguardo dell’osservatore sull’insieme piuttosto che sulla singola tessera. Ogni elemento è animato dalla forza espressiva e dalla dinamica gestuale che da sempre sottende la sua opera sia nelle esperienze ben riuscite di tecnologia e manualità dei ritratti “Facce di Lepanto”, sia nelle grandi tele monocromatiche con tecnica mista (matita e colori ad olio). Un fare calibrato, studiato, controllato in ogni dettaglio; una pittura continuamente riscritta e di raffinata fattura.

Maria Gabriella Trovato, Pubblicista per Architettura e Arte
Beirut e Messina 2012